Verein der Mineralien- und Fossilienfreunde Inntal
Verein der Mineralien- und Fossilienfreunde Inntal

Aktuelle Beiträge auf dieser Seite:

  • Aufruf für alte Fotografien von der Stapfenalm und Umgebung
  • Alter Zillertaler Granatschmuck
  • "Stempel" von der ehemaligen Granathütte im Zemmgrund
  • "Schmucke Steine" -  Universität Innsbruck

Aufruf für alte Fotografien von der Stapfenalm und Umgebung

Das Projekt „Zillertaler Granatbergbau“ hat sich als Ziel gesetzt, den historischen Abbau sowie die Weiterverarbeitung des roten Edelsteins des Zillertals zu erforschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 1:

Die Ruinen der Stapfenalm in der Stillup ( Foto:

B. Zerobin)

Die Ergebnisse dieser Studie dienen für einen Antrag auf ein Stipendium für ein DOC-Team bestehend aus den drei Fachdisziplinen Geschichte, Geologie und Archäologie.

Die 6-monatige Vorstudie für eine Doktorarbeit wurde von der Fa. Brindlinger, Zell a. Ziller finanziert und in die Wege geleitet. Realisiert werden konnte diese Arbeit am

FZ HiMAT und Universität Innsbruck unter der Leitung von Dr. Gert Goldenberg und dem ambitionierten Sammler Walter Ungerank aus Aschau.

Ein essentieller Teil der Arbeit ist die archäologische Dokumentation der historischen Funde der Granatarbeiter aus dem 18. bis 20. Jh. Während die Granatmühle und die -hütten im Zemmgrund sowohl in den schriftlichen Unterlagen aufscheinen als auch heute noch als Ruinen ersichtlich sind, weiß man bezüglich des Abbaus und der Weiterverarbeitung des Granats in der Gegend der Stapfenalm in der Stillup (siehe Abb. 1) so gut wie gar nichts. Durch eine Begehung im September dieses Jahres konnten dort jedoch Granaten im gebrochenen und „getrommelten“ Zustand aufgesammelt werden (siehe Abb. 2).

 

 

 

 

 

 

Abb. 2: Gebrochene und getrommelte Granate von der Stapfenalm, Stillupgrund

(Foto: B. Zerobin)

Die abgerundeten Granate stammen aus einer durch Wasser betriebenen und rotierenden Holztrommel, bei der sich die Steine gegenseitig abreiben und man somit an den transluziden Kern des Granaten kommt, den man für die weitere Verarbeitung zu Schmuck benötigt.

Um die weiteren Recherchearbeiten zur Granatgeschichte der Stapfenalm bezüglich der Infrastruktur wie Mühlen, umgebaute Bachverläufe oder Hütten als Unterkunft für die Granatarbeiter zu erleichtern, möchten wir auf historisches Bildmaterial zurückgreifen.

 

Falls also jemand alte Fotografien von der Stapfenalm und deren Umgebung hat, schreibt bitte ein Mail bzw. ruft einen der unten stehenden Kontakte an.

Auch für andere Überlieferungen zum Granatbergbau im Zillertal, ob schriftlich, bildlich oder mündlich, sind wir dankbar.

 

Vielen Dank für die Mithilfe!

 

Bianca Zerobin MA                                     Walter Ungerank

Mail: bianca.zerobin@uibk.ac.at                 Mail: w.ungerank@gmx.at

Tel. Nr.:  +43 512 / 50737508                     Handy-Nr.: 0676 / 7155851

Handy-Nr.: 0677 62482824

   Alter Zillertaler Granatschmuck

„Stempel“ von der ehemaligen Granathütte im Zemmgrund

Vor genau 50 Jahren entdeckten Herr und Frau Warnebold aus Darmstadt das Zillertal als Urlaubsparadies. Durch diverse Bergtouren kamen sie auch zum Klettern und absolvier-ten einige Grundkurse dazu.

Letztendlich überwog aber die Leidenschaft zur Mineraliensuche und damit durchkämmten sie viele Jahre lang die Gegend um die Berliner Hütte. Sie hatten eine Sammelleidenschaft, die in ihrer Vielfalt renaissancehafte Züge hatte. Bei den ersten Besuchen entdeckten sie die spärlichen Reste der ehemaligen Granatmühle und fanden tatsächlich auch noch einige Relikte des alten Pochwerkes. Neben alten, handge-schmiedeten Nägeln wurde auch ein „Stempel“ dieser Hammeranlage gefunden.

(Früher wurde das Granatgestein händisch zerkleinert. Ab 1870 erledigte das „Ausstampfen“ ein mit Wasserkraft betriebenes Pochwerk am Waxeggbach.)

Das Ehepaar war in einem Alter, wo man es sich beweisen musste und so schleppten sie diesen Stempel nach Hause. Es ist ein vierkant Zirbenstamm, dessen Ende in einem geschmiedeten Eisenschuh steckt (11x11x86cm und ca. 6,5kg schwer). Später kam noch ein geschmiedeter Eisenring mit 37cm Durchmesser dazu. Dieser umklammerte offensichtlich einmal die hölzerne Welle, welche das Hammerwerk antrieb. Durch diese Stücke blieb die Erinnerung an das Zillertal ein Leben lang bestehen. Nachdem Herr Warnebold verstorben war, musste sein Sohn Andreas das Haus räumen und diese Utensilien gelangten in die Hände von Herrn Hans-Peter Schröder nach Frankenthal. Dieser erfuhr über Umwege von mir, nahm Kontakt auf und im Tauschwege überbrachten die Sammlerkollegen Heiko Busch und Thomas Heyer aus Kriftel diese Relikte wieder zurück ins Zillertal.

 

 

 

 

 

Von links nach rechts: Thomas Heyer mit Eisenring und Nägeln aus der ehemaligen Grantmühle, Walter Ungerank mit Stempel der Hammeranlage, Heiko Busch mit einer Schaufel der ehemaligen Granatschürfer

Heiko und Thomas fanden vor ca. 10 Jahren ebenfalls im Bereich des Rossrückens eine sehr interessant reparierte alte Schaufel der ehemaligen Granatschürfer, welche ebenfalls an mich übergeben wurde. Jene Exponate werden nun im Rahmen eines Forschungsprojektes über die UNI Innsbruck genau dokumentiert und sollen dann im künftigen Kristallmuseum in Ginzling ausgestellt werden.

Walter Ungerank

Stich: Inneres einer Granathütte. Originalzeichnung für die „Heimat“ von Prof. G. Anold 1878.

Bild: Aufbereitungsrückstände einer Granathütte im Zemmgrund . (Credit: A. Blaickner)

06.02.2020

Charakter­istische dunkelrot leuchtende Schmuck­steine zieren viele Tiroler Trachten, speziell im Zillertal. Der Abbau des Zillertaler Granats, ein be-gehrter Halbedelstein, ist bereits seit Mitte des 18. Jahrhunderts dokumentiert. Gert Goldenberg und Bianca Zerobin vom Institut für Archäologien arbeiten die Geschichte des begehrten Halbedelsteins im Zillertal auf.

Die Gewinnung des roten „Almandins“ (= Granat-Varietät) in den Zillertaler Alpen sicherte das tägliche Brot der sogenannten „Granatklauber“, unter denen sich auch findige Geschäftsleute befanden. Andrä Kreidl und Josef Hofer zählten im 18. und 19. Jahrhundert zu den Granatpionieren im Zillertal. Für die historische Gewinnung des Halbedelsteins aus Glimmerschiefern interessiert sich heute Gert Goldenberg, Professor am Institut für Archäologien, der sich auf die Bergbauarchäologie und Georessourcennutzung im Alpinen Raum spezialisiert hat. Gemeinsam mit Bianca Zerobin und dem bekannten Zillertaler Mineraliensammler Walter Ungerank werden seit 2019 Geländebegehungen und eine Sichtung des umfangreichen historischen Quellenmaterials durchgeführt, um ein größeres interdisziplinäres Forschungsprojekt zum „Zillertaler Granat“ vorzubereiten. Mit Hammer und Meißel und später mit Schwarzpulver und Dynamit wurde der granatführende Glimmerschiefer aus dem Fels geschlagen oder gesprengt, oftmals in steilem, nur sehr schwer zugänglichem Gelände weit oberhalb der Baumgrenze. Noch heute zeugen die Fundamente von Granathütten an den mit eiszeitlichem Blockschutt übersäten Hängen sowie Mauerreste von Granatmühlen an Bachläufen vom regen Bergbaugeschehen im hinteren Zillertal. „Der Granat wurde aufgrund seiner Härte als Schleifmittel verwendet, bei guter Qualität war er als Schmuckstein sehr begehrt. Da es damals keine Edelsteinschleifereien in der Region gab, wurde Tiroler Granat nach Böhmen verkauft, häufig in getrommelter Form. Dort veränderte sich dann durch die Weiterverarbeitung zu geschliffenen Steinen nicht nur das Aussehen, sondern der Zillertaler Granat wurde im Handel zu Böhmischem Granat“, so Zerobin, die damit auf die große Problematik der Nachverfolgbarkeit des Zillertaler Granates bis zum Endabnehmer hinweist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Granathütte im 19. Jahrhundert. (Bild: Archiv W. Ungerank)

Familiengeschichte

Nachfahren des erfolgreichen Granatpioniers Josef Hofer leben noch heute im Zillertal. So hat sich die Familie Josef Brindlinger aus Zell am Ziller vorgenommen, die Familien-geschichte in Bezug auf das Granatgewerbe nicht nur aus privatem Interesse, sondern vor allem auch im Interesse der Region aufarbeiten zu lassen. Hierfür hat die Familie großzügige finanzielle Mittel für die Forschung zur Verfügung gestellt. Familie Josef Hofer aus Zell am Ziller hat ihrerseits in ihrem Besitz befindliche handschriftliche Dokumente und Rechnungs-bücher aus dem 19. Jahrhundert bereitgestellt, die für die historische Aufarbeitung des Granatgewerbes von großer Bedeutung sind. „Der Abbau des Glimmerschiefers und die daraus gewonnenen Granate haben nicht nur die Geschichte der Familie, sondern auch die Geschichte des Zillertals geprägt und den Namen des Tals schon damals weit über die Grenzen bekannt gemacht“, so Goldenberg. Maßgeblich beteiligt an den Forschungen ist der engagierte Mineraliensammler Walter Ungerank, der das Archäologen-Team im Gelände begleitet und sein über Jahrzehnte zusammengetragenes Wissen sowie seine eigenen umfangreichen Funde der Wissenschaft zur Bearbeitung zur Verfügung stellt. „Wir wollen dazu beitragen, dass die spannende Geschichte rund um den Zillertaler Granat wieder zum Leben erweckt wird und nicht in Vergessenheit gerät. Geplant ist auch eine Ausstellung der gefundenen Artefakte und die Darstellung der gewonnenen Erkenntnisse in einem lokalen Museum“, erklärt Zerobin.

Forscherteam vor dem Waxeggkees – von links nach rechts: Gert Goldenberg, Bianca Zerobin, Walter Ungerank. (Bild: B. Zerobin)

Im nächsten Schritt sollen nun auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fachbereichen Geschichte, Mineralogie und Geographie an der Universität Innsbruck in die Forschungsarbeit eingebunden werden. Das ganze Projekt ist dem Forschungszentrum HiMAT zugeordnet, das sich schwerpunktmäßig mit der Bergbaugeschichte Tirols befasst. „Neben der mineralogisch-chemischen Charakterisierung der Zillertaler Granate, mit deren Hilfe wir versuchen wollen, den Handelsweg der Steine nachzuvollziehen, versprechen die historischen Dokumente eine Fülle an wertvollen Informationen zum Granatgeschäft. Auch die Infrastruktur der Granatgewinnung in den alpinen Hochlagen interessiert uns, insbesondere auch die Wegenetze der Granatler, die teilweise über das Eis geführt haben, als die Gletscher in der Mitte des 19. Jahrhunderts einen Hochstand erreicht hatten“, so Goldenberg. Der Abbau des granatführenden Glimmerschiefers im Zillertal und die weitere Verarbeitung zu begehrten Schmucksteinen hat die Geschichte des Tals und seiner Bevölkerung geprägt. Die für die kommenden Jahre geplanten Untersuchungen lassen spannende und vielschichtige Ergebnisse zur Kultur- und Wirtschaftsgeschichte rund um den Tiroler Halbedelstein erwarten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszug aus einem Registerbuch von Josef Hofer 1866. (Bild: Archiv

J. Hofer)

Texte:

© Universität Innsbruck
Innrain 52, 6020 Innsbruck

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